Geschichte

Geschichte

Die Geschichte hat im Daadener Land eine Reihe sehenswerter steinerner Zeugen hinterlassen. Unter ihnen nimmt die 1722/24 erbaute Barockkirche in Daaden eine überragende Stellung ein. Sie ist als einschiffige, weiträumige Anlage in Kreuzform mit Emporen konzipiert. Den trotzigen Turm schmückt als Wahrzeichen der „Hahnengel“. Die Kirche wird in ihrer Raumgestaltung zu den besten Schöpfungen des Barock im hiesigen Raum gezählt. Historisch und architektonisch interessant ist auch die in ihrer ursprünglichen Bausubstanz aus dem 12. Jahrhundert stammende Kapelle in Nisterberg. Schützend spreizt heute noch der kaiserliche Doppeladler seine Schwingen über das Eingangstor von Schloss Friedewald, seit 1954 Sitz der Evangelischen Sozialakademie. Kunstkenner werden in der lebhaft gegliederten Renaissance-Fassade (1580/82) des Haupthauses das Heidelberger Schloss als Vorbild erkennen. Der Schlosskomplex ist in etwa rechteckig angelegt. Das Erdgeschoss des straßenseits gelegenen Ostflügels mit dem Zwiebelhaubenturm und der Südflügel stammen aus dem 16./17. Jahrhundert. Das Obergeschoss des Ostflügels und der Nordflügel mit seinem Fachwerk wurden 1913 - 14 errichtet. Inmitten von Daaden befindet sich die „Alte Post“, Teil des einstigen Schützschen Herrensitzes (1671). Sie birgt die umfangreiche und sehenswerte Sammlung des Heimatmuseums. Im Jahr 1980 wurde das Bürgerhaus angebaut, das heute nicht nur für Feiern aller Art genutzt wird, sondern auch Schauplatz vieler kultureller Veranstaltungen ist – von der Kunstausstellung bis zum Konzert der weit über die Grenzen von Daaden hinaus bekannten Daadetaler Knappenkapelle. Bestens erhaltenes Fachwerk, teilweise aus dem 17. Jahrhundert, begegnet den Besuchern überall im Daadener Land. Malerisch gelegen zwischen Derschen und Emmerzhausen, hat die „Steinches Mühle“ schon vielen als Vorlage für Gemälde und Fotografien gedient. Die über 400 Jahre alte Mühle befindet sich heute in Privatbesitz. Nicht mehr auf den ersten Blick sichtbar  bezeugen Steine noch ein sehr altes Geschichtskapitel: den inzwischen erloschenen Erzbergbau, einst bedeutendster Wirtschaftsfaktor in der Region. Spateisenstein, Kupfererze, Schwefelkies und Bergkristalle auf alten Halden (unter anderem um den Daadener Ortsteil Biersdorf) haben früher Sammler von weit her ins ehemalige „Revier“ gelockt.

Die ersten Spuren menschlicher Besiedlung in unserem Heimatraum sind in der „La-Tène-Zeit“ (500 – 100 v. Chr.)  nachweisbar, als Kelten das hier zu Tage tretende Eisenerz entdeckten und für sich nutzbar machten. Reste eines Schmelzofens aus dieser Zeit wurden in den sechziger Jahren im Direnbachtal bei Daaden gefunden. Spätestens um 100 v. Chr. hatten die von Norden eindringenden Germanen die Kelten vertrieben und sich in unserem Raum angesiedelt. Nach dem Zusammenschluss der germanischen Stämme im Frankenbund kam die hiesige Gegend zum ostfränkischen Reich. Seit der Christianisierung der Franken gehörte das Gebiet Daaden zur Mutterkirche in Haiger. 1002 wurde der Haigergau der Hoheit des Wormser Bischofs unterstellt, der die weltliche Macht ausübte, während die geistliche Aufsicht dem Erzbistum Trier gebührte. Als Vögte setzten die Wormser Bischöfe für unsere Region die Herren von Molsberg, ein altes Westerwälder Adelsgeschlecht, ein. Nach dem Niedergang der Molsberger übernahmen um die Wende vom 13. zum 14. Jahrhundert die Herren von Greifenstein und die Grafen von Sayn die Herrschaft. Die Sayner, die aufgrund kaiserlicher Erlaubnis von 1324 in Friedewald, das zugleich Stadtrechte bekam, eine Burg bauen durften, waren eines der ältesten und angesehensten Adelsgeschlechter des Reiches; sie waren bis zum Ende des 17. Jahrhunderts die Landesherren des Amtes Friedwald (Kirchspiel Daaden). 

Graf Heinrich IV. von Sayn ließ 1580 die Burg Friedewald durch die Errichtung des Haupthauses mit seiner Renaissance-Fassade zu einem Schloss ausbauen, das später als Sitz der Verwaltung und des Gerichts genutzt wurde. Im 19. Jahrhundert verfiel die Anlage zur Ruine, die Graf Alexander von Hachenburg 1887 für 15 Reichsmark erwarb und wieder neu aufbaute. Die älteste Ortschaft in der Verbandsgemeinde Daaden ist Weitefeld, das bereits im Jahr 848 erstmals urkundlich erwähnt wird. Es folgen Daaden (Ersterwähnung 1219) und Mauden (1261); die anderen Orte gehen meistens auf das 14. Jahrhundert zurück. Nach Auffassung zuverlässiger Heimatforscher soll bereits um die Mitte des 12. Jahrhunderts eine Kirche in Daaden gestanden haben, von der der Turm bis heute erhalten geblieben ist. Die heutige Kirche wurde 1722 – 1724 gebaut und gehört zu den besten Schöpfungen des Barocks im Westerwald. Auch die Kapelle in Nisterberg stammt in ihrem ältesten Teil aus dem 12. Jahrhundert. 

Eine lange und alte Tradition hat die Gerichtsbarkeit in Daaden. Die erste urkundliche Erwähnung eines hiesigen Gerichtes datiert von 1345. Die lange Epoche als Gerichtsstandort endete erst, als das Daadener Amtsgericht Ende 1966 aufgelöst wurde. Im Jahre 1561 führten die Grafen von Sayn in ihrer Grafschaft und damit auch in Daaden die Reformation in der Gestalt des lutherischen Bekenntnisses ein. Als das Haus Sayn-Wittgenstein 1605 die Nachfolge in der Regentschaft antrat, wurde das Kirchspiel Daaden reformiert. Nach der Beendigung des 30jährigen Krieges richtete die Landesherrin, Gräfin Luise Juliane von Sayn-Wittgenstein, neben der reformierten noch eine lutherische Pfarrstelle in Daaden ein und erklärte die Kirche zur Simultankirche für beide Gemeinden. 1840 vereinigten sich beide Konfessionen und traten der evangelischen Union bei.
 
Mangels männlicher Nachkommen des Grafen von Sayn-Wittgenstein kam unser Heimatraum, die Grafschaft Sayn-Altenkirchen, 1661 zu dem Herzogtum Sachsen-Weimar-Eisenach. 1741 trat das Haus Brandenburg-Onolzbach an seine Stelle. Markgraf Alexander von Brandenburg-Ansbach wollte seine Grafschaft 1783 an das Haus Hannover, das zugleich den englischen Thron innehatte, übertragen. Das Abkommen mit der englischen Krone zerschlug sich jedoch. 1791 kam die Grafschaft Sayn-Altenkirchen unter preußische Verwaltung und 1803 zum Herzogtum Nassau. Mit der politischen Neuordnung nach dem Wiener Kongress 1815 wurde das Daadener Land preußisch und Teil des damals neu gebildeten Landkreises Altenkirchen. Zugleich wurde Daaden Sitz einer Bürgermeisterei, zu der die zwölf Gemeinden Biersdorf, Daaden, Derschen, Emmerzhausen, Friedewald, Herdorf, Mauden, Niederdreisbach, Nisterberg, Oberdreisbach, Schutzbach und Weitefeld gehörten. Daaden hatte damals bereits knapp 1000 Einwohner und war 1840 die drittgrößte Gemeinde im Landkreis. Die damals gebildeten Verwaltungseinheiten haben seit jener Zeit relativ wenig Änderung erfahren. Aus der Bürgermeisterei wurde später das Amt und 1967 die Verbandsgemeinde Daaden. 1955 wurde die Gemeinde Herdorf aus dem Amt Daaden herausgelöst und bekam den Status einer amtsfreien Gemeinde. Am 8. Juni 1969 wurden Daaden und Biersdorf sowie Weitefeld und Oberdreisbach zu jeweils einer Ortsgemeinde zusammengefasst.  

Jahrhunderte lang war das Daadener Land geprägt vom Bergbau und Hüttenwesen. Eisen-, Kupfer- und Silberbleierze wurden hier gefördert und auch geschmolzen. Bereits die ersten Siedler wurden hier wegen des Eisenerzes sesshaft. Im Jahre 1370 wird eine Hütte in Schutzbach urkundlich erwähnt; daraus ist zu schließen, dass auch Erze zu Tage gefördert wurden. Im 18. Jahrhundert gab es in Daaden zwei Kupferhütten und in Biersdorf und Niederdreisbach jeweils eine Eisenschmelze. Die Niederdreisbacher Hütte wurde bis 1963 betrieben. Das größte Eisenerzbergwerk im Amt Daaden war die Grube Füsseberg in Biersdorf, die erstmals 1708 erwähnt wird. 1899 begann hier der Tiefbau mit 350 Beschäftigen, deren Zahl sich bis zum 2. Weltkrieg auf 1.600 erhöhte. Am 31. März 1965 wurde die Grube Füsseberg stillgelegt.